Die Rennbahn in Wochenschau und Film - 120 Jahre Karlshorst

Im Rahmen des Jubiläums zu „120 Jahren Karlshorst“ werden an vier Abenden historische Filmdokumente von der Pferderennbahn und jeweils ein Spiel- oder Dokumentarfilm gezeigt. Im Kulturhaus liegt der Akzent auf historischen Filmdokumenten: Die Kino-Wochenschauen hatten vor der Existenz des Fernsehens die Aufgabe, die Zuschauer über wichtige Ereignisse in der Welt, über sportliche Sensationen und Wettkämpfe zu informieren und waren auch die einzige Möglichkeit, Berühmtheiten in bewegter Aktion zu sehen. Der Defa-Augenzeuge setzt mit demokratischem Impetus die Wochenschau-Tradition fort und berichtet ebenfalls von Pferde- wie Sandbahnrennen. Nicht selten findet sich die Rennbahn jedoch auch als Ort einschlägiger Spielfilmszenen genutzt. Zwei „typische“ Komödien aus der NS-Zeit bedienen sich dieses über die Tradition der Armee-Jagdrennen auch militärisch vorgeprägten Hintergrundes. Die hier inszenierten Liebesintrigen belegen nebenbei auch die Bedeutung der Pferderennbahnen für die Freizeitgestaltung bis in die 50er Jahre. Die Wochenschauen werden zusätzlich zu bestimmten Zeiten auch in der Ausstellung „120 Jahre Karlshorst“ in der Galerie des Kulturhauses (30.05-26.07.15) zu sehen sein.
Im Pferdesportpark steht nach den Wochenschauen jeweils ein neuer Dokumentar- und Spielfilm, der die Rennbahn in anderer Weise in Szene setzt. „Sieg oder Platz“ von Tanja Hamilton beobachtet im Jahr 2000 alle Akteure vor Ort und vermittelt so einen Eindruck von dessen Bedeutung im Nachwende-Berlin. „Wanja“ von Caroline Hellsg
ård aus dem Jahr 2015 erzählt eine persönliche Geschichte, deren Handlung im Umkreis der hiesigen Rennbahn spielt.

(Termine:)


Kulturhaus Karlshorst

Treskowallee 112, 10318 Berlin, Tel. 030 / 5532276


Mo 08.06.15, 19 Uhr Aufgang A | Salon am Fenster | Eintritt 3 Euro


Wochenschau-Ausschnitte des Defa-Augenzeugen von der Rennbahn Karlshorst 1946-1976, 19 min, Rechte: PROGRESS Film-Verleih: Berichte von Traberderbys, Sandbahnrennen, Volksfesten und stimmungsvollen Wochenenden. Kommentar: Michael Laschke

Hochzeit auf Bärenhof (Deutschland 1942), Regie: Carl Fröhlich, 105 min, Verleih: Black Hill Pictures GmbH, nach Hermann Sudermanns Erzählung „Jolanthes Hochzeit“, mit Heinrich George, Ilse Werner, Paul Wegener.

Die Handlung der Heirats- und Liebeskomödie spielt zeitlich um 1895, knüpft im nationalistischen Sinne an die Tradition der Armeejagdrennen in Karlshorst an und verbindet in einer langen Szene auf der Karlshorster Bahn Ruhm und Ehre, Berechnung und Liebe. (Die komödiantisch-burleske Liebesgeschichte aus den Kreisen preußischer Landjunker befand sich ab 1945 auf der Liste der unter alliierter Militärzensur verbotenen Filme.) Einführung: Nele Saß und Michael Laschke





Mo 15.06.15, 19 Uhr Aufgang A | Salon am Fenster | Eintritt 3 Euro

Historische Kino-Wochenschauen von der Rennbahn Karlshorst aus den 1910er bis 1940er Jahren, Rechte: Bundesarchiv-Filmarchiv, ca. 15 min

Die ehemaligen Bebauungen des Rennbahngeländes sind im Bewegtbild ebenso zu erkennen, wie die verschiedenen, auch politischen, Funktionen der Kinowochenschauen.

Kommentiert von Michael Laschke und Nele Saß

Keine Angst vor Liebe (Deutschland 1933), Regie: Hans Steinhoff, 100 min, Rechte: Bundesarchiv-Filmarchiv, mit Liane Haid und Theo Lingen

In diesem Verwechslungslustspiel aus der Zeit des Nationalsozialismus wird in einer langen Szene beim Pferderennen das Kalkül bei der Wette den Verwirrungen verschiedener Liebesbande zur Seite gestellt. Rollentausch, Liebeständeleien und weibliche Selbstbehauptung zweier Sekretärinnen (in der Arbeitswelt) sind die Zutaten für diesen Unterhaltungsfilm, der in den 30er Jahren als jugendgefährdend eingestuft wurde.

Einführung: Nele Saß



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Pferdesportpark Berlin-Karlshorst e.V.
Treskowallee 129, 10318 Berlin
S3, RE7, RB 14 bis Karlshorst
Tram 17, 21, 27, 37 bis Hegemeisterweg

 

Sa 27.06.15, 19 Uhr Racing Club | Eintritt 3 Euro



Wochenschau-Ausschnitte des Defa-Augenzeugen von der Rennbahn Karlshorst 1946-1976, 19 min, Rechte: PROGRESS Film-Verleih: Berichte von Traberderbys, Sandbahnrennen, Volksfesten und stimmungsvollen Wochenenden.

Sieg oder Platz (D 2000), Regie: Tanja Hamilton, Kamera: Claudia Rauch, Produzentin: Regina Quinzler, Filmakademie Baden-Württemberg, 60 min

Im Anschluss Gespräch mit der Regisseurin Tanja Hamilton

Das Filmteam war für den Dreh einen Monat auf der Rennbahn Karlshorst und porträtierte Trainer, Besitzer, Wetter und Besucher: Wo einst die Herren und Damen von und zu sich die Hand gaben und bis zu 50.000 Zuschauer Tribüne und Rasen füllten, trifft sich heute die arbeitende Bevölkerung des Berliner Ostens. Nicht mehr als eine Handvoll, jeden Samstag. Man kennt sich, ist gemeinsam auf der Bahn groß geworden und teilt sich noch heute die Wetten und das Bier. Vor wie hinter den Kulissen gibt es Gewinner und Verlierer: den erfolgreichen Pferdetrainer, den in seine Tiere vernarrten Kleinbesitzer, den euphorischen Profi-Zocker und den alten Mann, der mal bei der Post war und sein Leben mit dem Wetten verbracht hat. Für jeden von ihnen hat die Anwesenheit einen anderen Grund und bedeutet zugleich den zentralen Lebensinhalt. Sie alle haben eine Liebe für Pferde, für den Trabrennsport und den Nervenkitzel des Wettens. Sie bewegen sich in einer Welt, die eine kleine Festung gegen den beständigen Wandel im Nachwende-Berlin ist. Doch nach dem Rennen ist schließlich auch immer vor dem nächsten Rennen.

Tanja Hamilton, geb. 1972 in Wiesbaden, Studium der Nordamerikastudien, Lateinamerikanistik und Politologie sowie Journalistik; 1997-2004 Studium der Dokumentarfilm-Regie an der Filmakademie Baden Württemberg, Ludwigsburg. Seitdem als freie Dokumentarfilm-Regisseurin tätig.
Filmografie: Vorläufig vollstreckbar (Dokumentarfilm 1999); Looking for Liv (Dokumentarfilm 2000); Sieg oder Platz (Dokumentarfilm 2001, SFB); 10 Tage, ein ganzes Leben (Dokumentarfilm/Abschlussfilm 2003, SWR); Dinge, die man tun kann, wenn man tot ist (Dokumentarfilm 2008, WDR/arte); Bist Du hart genug?/Tough Men (Dokumentarfilm 2011, arte)



So 28.06.15, 19 Uhr Racing Club | Eintritt 3 Euro



Historische Kino-Wochenschauen von der Rennbahn Karlshorst aus den 1910er bis 1940er Jahren, Rechte: Bundesarchiv-Filmarchiv, ca. 15 min

Die ehemaligen Bebauungen des Rennbahngeländes sind im Bewegtbild ebenso zu erkennen, wie die verschiedenen, auch politischen, Funktionen der Kinowochenschauen.

Wanja (D 2015), Regie: Caroline Hellsgård, Flickfilm GbR Berlin, 87 min, mit Anne Ratte-Polle und Nele Trebs

Perspektive Deutsches Kino, Berlinale 2015

Nach einem langen Gefängnisaufenthalt ist die 40-jährige Wanja bemüht, alles zu vermeiden, was sie zurück in die Sucht und in zwielichtige Kreise bringen könnte. Sie nimmt harmlose Jobs an, zunächst in einer Zoohandlung, weil sie sich gern um Tiere kümmert, später bei einem Trabrennstall, bezieht eine Sozialwohnung und trifft sich regelmäßig mit ihrem Bewährungshelfer. Bei der Arbeit auf der Trabrennbahn,wo sie für die Pflege der Pferde zuständig ist, lernt sie die 16-jährige etwas widerspenstige Emma kennen. Bald empfindet Wanja Zuneigung zu dem aufgewühlten Mädchen, in dem sie die Wanja wiedererkennt, die sie einmal war, vor ihrer Gefängniszeit, mit exzessivem Alkoholkonsum, Drogen und allzu coolen Freunden. Anfangs gehen sich die beiden eher aus dem Weg, doch nach und nach taut Wanja in Emmas Nähe auf, und es entsteht eine zaghafte Freundschaft. Als Emma in Schwierigkeiten gerät, entscheidet sich Wanja zu handeln und sie zu retten. (Berlinale 2015)

Caroline Hellsgård, geb. 1977 in Stockholm, Studium der Filmwissenschaft sowie Experimentelle Mediengestaltung an der UdK Berlin, 2008-2009 DAAD-Stipendiatin am California Institute of the Arts, seit 2009 freischaffende Autorin, Cutterin und Regisseurin. Ihre Filme wurden auf zahlreichen Festivals gezeigt und prämiert: Karaoke (2008); Hunger (Kurzfilm, 2009); Hjältar (Kurzfilm, 2012); Läufer (Kurzfilm, 2013); Wanja (Spielfilm, 2015, nominiert für den Preis Bester Erstlingsfilm, Berlinale 2015)